Zwischen Anarchie und Ordnung

Von Tanja Wessendorf, 14.10.09

Dario Fos Stück „Bezahlt wird nicht“ feiert Premiere mit den „Randblüten“ im Bürgerhaus Stollwerck. Im Ensemble wirken auch ehemals Obdachlose sowie behinderte Menschen mit.

INNENSTADT - Wenn die Lebensmittel immer teurer werden, Strom, Gas und Miete noch nicht bezahlt sind und der Mann nach Hause kommt und etwas Richtiges essen will, muss die Hausfrau sich etwas einfallen lassen. Also laden sich Antonia, Angelina und ihre Freundinnen im Supermarkt die Taschen voll, stopfen sie sich unter die Mäntel und gehen als Schwangere getarnt nach Hause. Doch hier wartet das nächste Problem: Die Beute muss versteckt werden, weil die Männer zwar essen wollen, aber gegen illegale Aktionen sind. „Bezahlt wird nicht“ heißt das Theaterstück von Dario Fo, das die Gruppe „Randblüten“ im Bürgerhaus Stollwerck in der Südstadt aufgeführt hat.

Ehemalige Obdachlose spielen

Das Besondere: Die „Randblüten“ sind ein Theaterensemble mit 14 Darstellern, die zum Teil behindert sind oder ehemals obdachlos waren und aus Köln und dem Oldenburger Raum stammen. Auch das Alter betreffend ist die Gruppe sehr gemischt: Das jüngste Mitglied ist 12 Jahre alt, das älteste 79. Die Gesamtleitung hatte der Theater- und Musikpädagoge Waldo Bleeker aus Oldenburg, Regie führte die Regisseurin, Schauspielerin und Sozialpädagogin Inge Münzner aus Köln. Klaus der Geiger, ebenfalls aus Köln, war für die musikalische Leitung verantwortlich. Schon im vergangenen Jahr planten Bleeker und Münzner, verschiedene Theatergruppen aus dem Rheinland und Niedersachsen zusammenzuschließen und eine ganz neue Formation zu gründen. Die „Randblüten“ werden unter anderem vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der „Aktion Mensch“ gefördert. Aus Köln spielen Mitglieder der Seniorentheatergruppe „Alte Kerle“ und der Obdachlosentheatergruppe „KölnerBerberBühne“ (KBB) mit. Aus dem Oldenburger Raum nehmen die integrative Theatergruppe „Eden Theater“, die Jugendtheatergruppe „WIR“, „Jugendkulturarbeit“, die Jugendtheatergruppe „Splash“ und die integrative Kindertheatergruppe „Der Blaue Kodar“ teil. Gemeinsam werden sie zu den „Randblüten“.

Die 14 Darsteller aus verschiedenen Gruppen zusammenzuführen und trotz der Entfernung zwischen Köln und Oldenburg vernünftig zu proben, sei eine große Herausforderung gewesen. Doch das Experiment war ein voller Erfolg: Auf der Bühne sind die „Randblüten“ eine unumstößliche Einheit, die Dario Fos gesellschaftskritisches Stück charmant und sehr humorvoll auf die Bühne bringt. Dass die Schauspieler sich vorher gar nicht kannten und derart unterschiedliche Biografien haben, bemerkt der Zuschauer nicht.

Obwohl der italienische Theaterautor das Stück bereits 1974 schrieb, habe es von seiner Aktualität nichts verloren, meint Regisseurin Inge Münzner. Im Original dreht sich „Bezahlt wird nicht“ um Diebstahl und Ehrlichkeit, Anarchie und Ordnung und den Mut, etwas gegen ungerechte Zustände zu unternehmen. Die Regisseurin Inge Münzner lässt in ihrer Version zusätzlich die Figuren träumen - vom Erfolg auf der Bühne, von Reichtum und Ruhm und von leidenschaftlichen Tangotänzen. Deshalb hat sie den Namenszusatz „Träume sind kostenlos“ an den Titel angehängt.

Quelle: http://www.ksta.de/...