Armut mit Humor auf die Bühne gebracht
AUFFÜHRUNG Integrative Theatergruppe spielt "Bezahlt wird nicht" im PumpwerkDas Theaterstück des italienischen Theater- und Spaßmachers Dario Fo entwickelt sich zu einem rasanten Verwechslungsspiel - mit wichtiger Botschaft.
WILHELMSHAVEN/LR - Die eingängige Melodie mit Geige und Harmonika ist verklungen, da betreten Frauen das einfache Zimmer auf der Bühne. Sie sind beladen mit Lebensmitteln. Aufgeregt erzählen sie, was sie gerade erlebt haben: wie sie die Sachen aus dem Supermarkt entwendet haben – weil sie die teuren Preise nicht mehr bezahlen konnten. Wie sie beinahe von der Polizei erwischt worden sind, aber zuletzt abhauen konnten. „Bezahlt wird nicht!“ hatte ihr gemeinsamer Schlachtruf gelautet.
Das Stück „Bezahlt wird nicht“ des italienischen Theater- und Spaßmachers Dario Fo aus den siebziger Jahren entwickelt sich zu einem rasanten Verwechslungsspiel, bei dem es viel zu lachen gibt: mit (scheinschwangeren) Hausfrauen, Arbeitern, Polizisten, Kindern, zwei Sargträgern und der Heiligen Eulalia. Dabei geht es zugleich auch um Mut und Fantasie, gemeinsam etwas gegen ungerechte Zustände zu tun. Und es geht um die Kraft der Träume, die einem keiner nehmen kann – daher der Untertitel: „Träume sind kostenlos!“
Auf die Bühne gebracht wird das Stück von den „Randblüten“: 14 DarstellerInnen im Alter von 12 bis 79 Jahren mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen – darunter ehemals Obdachlose, Menschen mit und ohne Behinderungen, Kinder und alte Menschen. Sie kommen aus verschiedenen Theatergruppen aus Köln und dem Oldenburger Land, treffen sich in der Woche zu Einzelproben und kommen alle paar Wochen zu gemeinsamen Wochenenden zusammen.
Für Waldo Bleeker aus Oldenburg, der schon viele Jahre integratives Theater macht, bietet die Arbeit an diesem Stück hervorragende Möglichkeiten, Toleranz und Akzeptanz zu lernen: „Einzigartig ist die Selbstverständlichkeit und Konsequenz, mit der das Gleichheitsprinzip in dieser Gruppe verfolgt wird. Im künstlerisch schöpferischen Prozess ist die Grenze zwischen „normal“ und „nicht normal“ aufgehoben.“
Die persönliche Bekanntschaft Bleekers mit der Regisseurin Inge Münzner und dem Musiker Klaus der Geiger hat zu der ungewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen Köln und Oldenburg geführt. Durch die einfühlsame Animation von Inge Münzner haben die DarstellerInnen Träume von einem schöneren Leben entwickelt, die das Stück von Dario Fo szenisch bereichern. Die Musik von Klaus der Geiger, bekannt durch ungewöhnliche Musikprojekte, schafft dazu eine einzigartige Atmosphäre.
„Bezahlt wird nicht oder Träume sind kostenlos!“ wird in Köln, Weilburg, Oldenburg und Wilhelmshaven aufgeführt. Es richtet sich an alle Menschen, die sich mit den Randblüten der Gesellschaft verbunden fühlen.
Quelle: http://www.wzonline.de/...